Hauptstadt und Metropole: Madrid

Die Madrilenen nennen Ihre Metropole auch „Hauptstadt der Lebenslust“. Und man weiß hier durchaus lang und laut zu feiern – für Nachtschwärmer ist die Hauptstadt Spaniens eine Pflicht. Es mag daran liegen, dass Madrid im Vergleich zu anderen Metropolen wie London und Paris noch Nachholbedarf hat – denn Ruf, Größe und Status ist noch längst nicht so alt.

1561 erklärte König Philipp II. Madrid zur Hauptstadt von Spanien. Zu diesem Zeitpunkt besaß Madrid nicht einmal das Stadtrecht. Jahrhundertelang hatten die Könige von Toledo, Segovia oder Valladolid aus regiert.

Warum wurde dann eine so unbedeutende Stadt zur Hauptstadt?

Madrid hatte keine politische Vergangenheit, was ein großer Vorteil war. Der König hatte keine Konkurrenten, die ihm im Ausführen seines Amtes hinderlich sein konnten. Mächtige Familien, wie es sie in den früheren Regierungssitzen gab, ware hier schlichtweg nicht vorhanden.

Die zentrale Lage, in der Mitte Spaniens, war ein weiteres Argument für die Wahl zur Hauptstadt. Und Madrid verfügte bereits über eine Burg. Als Philipp II. seinen Regierungssitz nach Madrid verlegte, veranlasste er den Umbau der bereits vorhandenen Burg zum Palast umbauen.

Die meisten Wahrzeichen und Sehenswürdigkeiten der Stadt wurden erst Jahre, Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte später geschaffen. Lediglich der Retiro-Park, der im 16. Jahrhundert noch weit außerhalb der Stadt lag, war schon existent,  blieb allerdings dem König und seinen Gästen vorbehalten. Heute befindet sich El Retiro mitten im Zentrum und ist ein geschätzter Treffpunkt bei allen Bürgern und Besuchern.

Das Madrid von heute ist offen modern

Im 19. Jahrhundert wurde Madrid zu einem bedeutenden Finanzplatz. Prachtvolle Bankengebäude zeugen noch heute davon, etwa die spanische Nationalbank. Im Jahre 1939 übernahm Francisco Franco die Macht in Spanien. Er regierte bis zu seinem Tod 1975 als Diktator.

Und erst ab diesem Zeitpunkt entwickelte sich Madrid von der puren Hauptstadt zu einer echten, offenen und moderen Metropole, in der das Leben Tag und Nacht pulsiert. Die Ketten waren gesprengt und viele Madrilenen genossen die Möglichkeiten und Freiheiten, die ihnen vorher lange verwehrt waren. Madrid verwandelte in das Paradies für Nachtschwärmer, das es heute ist.

Die Stadt entwickelte sich zum Magneten für Kreative und Künstler. Aus dem bunten Treiben entstand die Bewegung, die als die „Movida Madrilena“ bekannt wurde. An ihrer Spitze stand der Bürgermeister Madrids, Enrique Tierno Galván. Er beschrieb das Lebensgefühl der Movida Madrilena, als er dem Volk empfahl: „a colocarse y ponerse al loro“ – frei übersetzt: „Macht soviel Party wie ihr könnt!“. 1986 verstarb er. Mehr als 1 Mio. Menschen kamen zu seiner Beerdigung.

Madrid ist mit aktuell mehr als drei Millionen Einwohnern eine der bedeutendsten Metropolen in Europa, wobei die Mehrzahl der Bürger nicht in Madrid geboren oder die Kinder von Zugezogenen sind. Vor diesen Hintergrund ist die Metropole ein sehr weltoffene Stadt und macht es Fremden leicht, sich in Madrid heimisch zu fühlen. Da das Leben zum großen Teil auf der Straße stattfindet, findet man hier schnell Anschluss.